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Topoi | Landschaften: Michael Bach, Magdalena Drebber, Ruth Habermehl, Leta Peer, Andreas Schön, Josef Schulz

Pressetext

 

Pressetext zur Ausstellung Topoi
18. September - 31. Oktober 2009

  Ausstellung: Topoi | Landschaften
Vernissage: Freitag, den 18. September 2009, 19.00 – 22.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 19. September bis 31. Oktober 2009

Die kommende Ausstellung in der Galerie Weigand ist dem Thema Landschaft gewidmet.
Eine Landschaft ist im Gegensatz zur Natur angelegt/gestaltet. Wo die Natur sich selbst überlassen wächst, gewaltig und urig, tragen Landschaften Spuren von Besiedlung in sich, die als angelegte Wege, Architekturen, Landwirtschaft sichtbar sein können. Worin besteht jedoch die gestaltende Geste, die Natur in Landschaft verwandelt? Die Werke der hier eingeladenen KünstlerInnen zeigen verschiedene Aspekte und Erscheinungsformen dieser Thematik. Mittels Malerei und Fotografie entstanden “Topoi“, wie auch der Titel der Ausstellung heißt. In der Ausstellung verwandeln sich Gelände in Ideallandschaften, es werden Sehnsüchte und Phantasien geschürt, Klischees hinterfragt. Ob der Mensch seinen Platz darin findet oder die Unberührtheit von all dessen Wirken eine schönere Vorstellung ist, bleibt in der Beantwortung dem Betrachter überlassen.

Michael Bach

Michael Bach wurde 1953 in Sehma, Erzgebirge geboren. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf von 1975 bis 1983, 1975-79 bei Norbert Tadeusz, Abteilung Münster, 1979-1983 bei Gerhard Richter. Meisterschüler bei Gerhard Richter. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen in Berlin, Düsseldorf, München, London und auch New York gezeigt.
Michael Bachs Landschaften zeigen Ansichten von Randgebieten, wo Siedlung und Natur aufeinander treffen. Orte, an denen Menschen naturnah leben, wie es an Häfen, Ufern, Fjorden der Fall ist. Doch diese Scheinidylle unterläuft Bach auf seine typische Weise: die abgebildeten Orte zeugen zwar von menschlichem Leben in Form ihrer Häuser und Gebrauchs Gebrauchsgegenständen, aber er verzichtet vollkommen auf die Abbildung von Personen in seinen Landschaftsgemälden. Das Leben und die Menschen sind nur noch präsent in Form der gebauten Architektur, die damit zum Relikt wird und ihren ursprünglichen Zweck verliert. Von fotografierten Bildern ausgehend verändert er seine Motive und formt neue Kompositionen. Durch die Verwendung vorwiegend gebrochener Töne und die Rücknahme von Buntheit und einer inhaltlichen Reduzierung schafft Bach eine Atmosphäre von Weltfernem.
Glatte Flächen wirken rigoros und anonym in seinen Bildern. So gestaltet Bach neue ästhetische Ordnungsgefüge, die zu Ideallandschaften werden. Martin Hentschel sprach von einer Welt ohne Lärm, die wie eine stillgelegte Welt funktioniert. Ein Schritt zurück zur Natur.

Magdalena Drebber

Magdalena Drebber wurde 1956 in Soest/Westfalen geboren.
Sie absolvierte ihr Studium an Studium Kunstakademie Münster.
Neben zahlreichen Stipendien erhielt sie Lehraufträge und Gastprofessuren an verschiedenen Kunsthochschulen, sie lehrt derzeit an der Burg-Giebichenstein in Halle.

Magdalena Drebber sucht ihre Motive in Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Lande. Sie bereist diese Orte und findet ihre Bilder im Umfeld von Höfen, wo Mensch, Tier, Natur und Alltagsgegenstände im Mit- und Nebeneinander leben. Sie fotografiert diese Topoi als gleichwertige Arrangements, um sie anschließend zu großformatigen Steckperlenbildern zusammenzuschweißen. Diese gesteckten Bilder sind bemerkenswert in ihrem Verweis auf alte Handarbeitstechniken wie Teppich knüpfen oder Perlenstickereien und andererseits auf die relativ neue digitale Fotografie, wo diese Art optischer Auflösung des Motivs in Form von Pixels existiert. Zeit spielt bei der Künstlerin auch inhaltlich eine Rolle. Ein Arbeitskittel und sich zueinander verhaltende Tiere sind dabei schwer einzuordnen. Hinweise auf eine Zeitlichkeit geben die abgebildeten Gegenstände, wie im Bild “Konferenz“, auf der sich zwei Hühner um eine Pump-Gun scharen. Auch der Titel „Extasy“ versetzt die abgebildete, geradezu uralte Handlung, in ein aktuelles Zeitfenster und öffnet sich dadurch einem neuen Kontext.
Ihre inszenierten Blicke auf das Landleben sind humorvoll und hintergründig. So lässt sie den Betrachter nur ausschnitthaft teilnehmen an den Geschehnissen in den Bildern, verführt ihn durch irritierende Titel, und benutzt mit den Steckperlen eine Technik, die das Motiv bei Annährung zum verschwinden bringen, ähnlich des vergeblichen Versuchs, sich an einen Traum zu erinnern. Er bleibt verschwommen, mehr ein Gefühl.

Ruth Habermehl

Ruth Habermehl wurde 1969 in Landau/Pfalz geboren. Sie studierte an der Akademie der Künste ein Mainz 1997. Sie unternahm verschiedene mehrjährige Studienaufenthalte und erhielt 2000 Preis der 7. Leipziger Jahresausstellung.

Ruth Habermehl siedelt ihre Landschaften in Collagen an. Ein Archiv mit gesammelten, recherchierten Abbildungen aus und Zeitschriften, Kalendern und Bildbänden der 50er bis 70er Jahre bildet ihr Ausgangsmaterial. Diese Motive löst sie mit Hilfe von Schere und Cutter aus ihrem Ursprungsraum heraus und stellt sie in neuen Kontexten zusammen.
In den Kompositionen von Habermehl stehen immer Menschen der Natur gegenüber und bilden in ihrer Neuverkettung humorvolle, ironische, hintergründige, auch bissige Szenarien. Darin verzichtet die Künstlerin auf einheitliche Perspektiven. Der Licht- und Schattenwurf ist entsprechend variabel, das Setting sendet irritierende Signale wider der Einordnung der Gelände. Zudem verschleiert sie bei den abgebildeten Personen den Sinn ihres Daseins – die ursprüngliche Handlung spricht dabei phantomartig mit der Neukombination– und kreiert dadurch eine mysteriöse Dramatik.
Man spürt ihre Lust an dieser Überspitzung der Landschaften; üppig blühende Vegetationen oder steile Felsmassive ragen neben schmalen Graten empor. Auf ihnen balancieren Protagonisten, einige in beobachtenden Posen verharrend, andere in Bewegung durch schwarzweiße Bilddetails hin zu Farbigen. Diese markanten Übergänge sind inzwischen fast unkenntlich, seit Habermehl 2006 begann, die Collagen in großformatige C-Prints umzusetzen. Dazu ist keine digitale Manipulation nötig, allein die somit fehlenden „haptischen“ Schnittkanten verleihen der Arbeit eine größere Glaubhaftigkeit, die einen faszinierenden Gegenpol zu der inhaltlichen Parodie auf Vorstellungsklischees und menschliche Verhaltensmustern bildet.

Leta Peer

Leta Peer wurde 1964 in Winterthur geboren und studierte in Basel freie Malerei. Seit 1994 wird sie kontinuierlich zu Ausstellungen in Galerien, Kunstvereinen und Museen eingeladen.
Leta Peers Malereien zeigen fast ausschließlich die Landschaft im schweizerischen Engadin, ihrer Heimat. Ihr Blick durchstreift Almwiesen mit ihrer Vegetation, Gebirgslandschaften, verläuft entlang von Wanderwegen und Bergkuppen mit ihren exklusiven Aussichten auf Himmel und Wetter. Mitunter widmet sie sich demselben Berg mehrmals in verschiedenen Ansichten und Licht- und Wetterstimmungen, zeigt dessen schneebedeckte Kuppe in einem Meer von Himmel und Wolken, oder malt ihn karg und rau im Nebel. Angelegt in einem souveränen Realismus, erscheint eine derartige Motivauswahl klischeehaft zu sein – Leta Peer unterläuft diesen Aspekt der Malerei aber augenblicklich, durch den hohen konzeptuellen Anteil, der in der Ernsthaftigkeit des Malens liegt. Sie vertraut der Landschaft, und vermittelt sie doch als fragilen Idealzustand. Hierbei beschäftigt sie das Verhältnis von Bild und Abbild, Vergegenwärtigung und Idealisierung. Mit einer sparsamen Motivauswahl und anhand subtiler Perspektivwechsel lotet sie tief verankerte Vorstellungen von Identität und Heimat aus. Zusätzlich experimentiert sie mit unterschiedlichen Bildformaten von Miniatur bis Grassformat. Darauf schildert Leta Peer ihre Panoramen unberührt, unzivilisiert, frei von jeder Zeitlichkeit. Eine großzügige entschleunigende Geste zu den Parametern der heutigen Welt, wo Mobilität und globale mediale Verfügbarkeit unumgänglich erscheinen.

Andreas Schön

Andreas Schön wurde 1955 in Kassel geboren. Er studierte von 1975 bis 1976 in Münster bei Lothar Baumgarten und Norbert Tadeusz. Von 1979 bis 1982 studierte er bei Gerhard Richter an der Kunstakademie in Düsseldorf. Ab 1989 hatte Schön zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

Welche Merkmale kennzeichnen eine Landschaft als solche?
Mit dieser Frage beschäftigt sich Schön in seiner Malerei. Seine Landschaften malt er mit nahezu fotografischer Detailgenauigkeit, dennoch geben sie keine bestimmten topographischen Orte wieder.
Vielmehr sind seine Bilder Erfassungen und Untersuchung von Geländeabschnitten, Tiefendimension und Flächen, deren Struktur und Textur mit ihren Lichtverhältnissen.
Gerade dadurch unterscheiden sie sich von Abbildern oder gar abgemalten Fotografien. Andreas Schöns Malereien folgen einer eigenen strengen Komposition. Er verdichtet seine Wahrnehmungen und Eindrücke eines Geländes zu einem einzigen Bild, fördert aus dieser Komprimierung der Natur die Landschaft zutage. Felder, Baumgruppen, Wege, und eine präzise Lichtregie geben Hinweise auf die Ursprungsregion, der Künstler verzichtet jedoch auf alles, was die Landschaft typisieren könnte. Dadurch kreiert er in seinen Gemälden eine eigenartige Nicht-Stimmung, eine Sachlichkeit, die er jedoch durch die Wahl seiner Bildtitel in Form von Ortsnamen wieder auflöst. Dieses Wechselspiel von scheinbar beliebigem Bildmotiv und geographischen Titel setzt eine Vielzahl von Assoziationen frei und hinterfragt konventionellen Lesarten von Landschaft und deren Grundbedingungen in der Darstellung.

Josef Schulz

Josef Schulz wurde 1966 geboren und studierte bei Bernd Becher und Thomas Ruff Fotografie. 2001 wurde er als Europäischer Architekturfotograf des Jahres ausgezeichnet.

Die Landschaften von Josef Schulz zeigen Geländeausschnitte, fotografiert an unterschiedlichen Orten der Schweizer Alpen.
Nach der Reise, auf der die Fotografien entstehen, folgt die digitale Bearbeitung im Atelier, woraus die markanten Schulzschen topoi entstehen.
Seine Aufnahmen erfahren dadurch eine eindrucksvolle Konzentration. Sie sind von irritierender Schönheit, seltsam ideal anmutend. Durch die extreme Reduktion von Bilddetails und inhaltlichen Verortung, aber auch durch die Betonung einzelner Farben und Kontrasten, provoziert Josef Schulz eine Zuspitzung, eine Dramatisierung der Szenerien, wie man sie herkömmlicher Weise von der Malerei her kennt.
Der Betrachter erlebt in dieser Werkserie eine faszinierende Auslotung der Grenze zwischen fotografischer "Realität" und kreierter "Wirklichkeit".
Damit öffnen sich Räume – sowohl für Schulz‘ Landschaftsmotive, als auch für die Betrachtenden. Für den Künstler ist genau dieser Moment der Irritation interessant, der Moment, in dem Authentizität und Konstrukt verschwimmen, wo nicht mehr deutlich ist, welches Detail in der Fotografie original ist und welches digital hinzugefügt wurde, um sich in eine subjektive Idealvorstellung des Künstlers zu verwandeln.

 

 

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