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Caro Suerkemper - Pressetext

klicken um zu vergrößern: Caro Suerkemper, Braut, 1996, Goache auf Papier, 42 x 30 cm

Caro Suerkemper Bräute

Vernissage: 22. November 1996, 19:00 - 22:00 Uhr

Ausstellungsdauer: 22. November - 11. Januar 1997

Caro Suerkemper verdichtet ihre malerischen Projektionen zu lkonen einer Selbstbezogenheit, deren Aura den Betrachter in das Vakuum der Intimität scheinbar unbeobachteter Präsenz hineinzieht. Die Heldinnen ihrer Bilder treten uns nahe im gebrochenen Pathos der proportionalen Größe figurativer Vereinzelung und konzentrierter Bewegtheit. Im Stillstand des Augenblicks, den die ruhige Intensität ihres gestischen und farblichen Ausdrucks dramatisiert, vergegenwärtigen sie ebenso die Dimension von Absenz aus innerlicher Versunkenheit wie die Spannung einer angehaltenen Bewegung, die als momentane Unterbrechung bildlichen Geschehens den Horizont erzählerischer Dynamik miteinbezieht. Die Verschwiegenheit Morandis und die Partikularisierung der Personen in Hoppers Szenarien scheinen sich mit der Banalität alltäglicher Situationen, wie sie Warhol in seinen frühen Filmen dokumentierte, zu überschneiden.

Die Selbstbezogenheit der Frauen jedoch, die Caro Suerkemper als figurative Klischees porträtiert, gewinnt in ihrem gestischen und farblichen Ausdruck eine Individualität, die die Bilder auf eine neue Weise zum Sprechen verhält. Die in den Klischees sich reproduzierende, allgegenwärtige Vereinzelung schlägt um in die Möglichkeit eines Selbstbewußtseins, das aus der subjektiven Radikalisierung der Klischees entsteht. Durch identifikative Besetzung an ihnen leer gewordener doch persönlich vorstellbarer Inhalte entwirft Suerkemper eine Vielfalt von Stimmungen und Empfindungen, die ihre Bilder wie ein Kaleidoskop gespiegelter Projektionen erscheinen lassen. Die Gleichgültigkeit der Klischees wird durchbrochen und spezifiziert in selbstbewußten Szenarien der Spiegelung von Gefühlen; die malerischen Projektionen manifestieren sich als Konstruktivismus der Empfindung.

Zwischen Realität und Selbstwahrnehmung sind die gefundenen Vorbilder Projektionsflächen emotionaler Präsenz - Außenseite und Oberfläche des Innenraums der Gefühle. Im Übergang von Projektion und Selbstwahrnehmung organisiert die malerische Konstruktion die Dynamik der Empfindungen in einem offenen Spiel mit dem Pathos des Ausdrucks als Ritual der bildlichen Selbstbehauptung. Die Gleichwertigkeit von abstrakten und abbildlichen Farbzonen objektiviert dabei die Eigenständigkeit des Mediums Malerei. Zuvor allerdings protokollieren die kleinformatigen Gouachen in entsprechender Eigenständigkeit das Bildpotential der Vorbilder in persönlicher Zwiesprache. sie sind der Zwischenschritt zur Rekonstruktion der Projektionen auf mehr als lebensgroßen Gemälden. Das macht die Gouachen Suerkempers zu Taschenspiegeln des Gefühls : in dieser Form intimer Notate wird die Unmittelbarkeit alltäglich gelebter einsamer Größe fühlbar in der sich und durch die sich die Haltung zur Welt entwirft und überprüft.

Wolfgang Siano

   
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